2. Wirgeser Energiestammtisch "barrierefreier" Zugang zu Information und Beratung

Veröffentlicht am 11.11.2022 in Pressemitteilung

Wirges. Eine große Supermarktkette wirbt mit dem Slogan „Deutschland hat die Energie zur Wende“. In unserem 2. Wirgeser Energiestammtisch stellten wir die Frage: "Haben wir die Energie zur Wende?"

Eingeladen hatte der Energiestammtisch dieses Mal am 12.November 2022 nach Helferskirchen. Zu Gast war Jürgen Schneider, Gebäudeenergieberater der EVM Energieversorgung Mittelrhein in Koblenz, um zum aktuellen Stand Energieversorgung auch in unserer Region zu berichten und auch ganz konkrete Fragen in Sachen Energieeffizienz im eigenen Heim zu beantworten.

Zum Einstieg umriss Herr Schneider die Strategien der Energieversorgung in Deutschland, die in den letzten 50 Jahren aus unterschiedlichen Gründen immer wieder an Grenzen stießen, beginnend mit der Ölkrise 1973, zuletzt durch Klimawandel und Krieg gegen die Ukraine. Und stets waren einschneidende Krisen nötig, um den Menschen bewusst zu machen, dass vor allem fossile Energieträger endlich und unserem Klima nicht zuträglich sind. Jede Krise wurde aber auch zum Motor für innovative Ideen zur alternativen Energiegewinnung. Und dennoch schien es uns bislang wichtiger zu sein, mit geringer Investition billig an Energie zu kommen.

Die Trockenjahre seit 2018, in denen unsere Wälder dem Borkenkäfer zum Opfer fielen, brachten viele Menschen zum Umdenken.

Und spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, der sich gleichzeitig zu einem Energiekrieg gegen Europa entwickelt hat, wurde uns schmerzlich bewusst, wie abhängig sich Deutschland von seinen Energielieferanten gemacht hatte.

Seither merken die Menschen im Lande, dass nicht nur der Ankauf von Strom, Gas und Öl teurer geworden ist, sondern damit zusammenhängend auch die Lebensmittelpreise kräftig gestiegen sind. Beim Blick in die aktuellen Nachrichten kann den Menschen mulmig werden: Ist Deutschlands Energieversorgung gesichert? Ist meine persönliche Energieversorgung gesichert? Kann ich die hohen Preise für Energie und Lebenshaltungskosten noch stemmen? Wo hilft der Staat? Was kann ich selbst tun?

Jürgen Schneider beantwortete die Fragen der Stammtischteilnehmer von spezifisch technischen Fragen zu den Anlagen bis hin zu praktischen Alltagstipps.

Dabei wurde deutlich, dass z. B. das "Stilllegen“ manch ungenutzter Räume im kommenden Winter keine gute Lösung ist, um den gestiegenen Preisen für Gas und Strom zu begegnen. Ungeheizte, ausgekühlte Räume bieten Schimmel einen idealen Nährboden. Dadurch können höhere Kosten entstehen, die man doch eigentlich vermeiden wollte. Daher sollte im Winter die Temperatur Räume nicht unter 16°C fallen.

Den Zuhörern wurden die Sorgen genommen, jetzt unbedingt umrüsten zu müssen. Die Bundesregierung tue im Moment alles, um Gas, etwa durch den Bau der LNG-Terminals oder neue Gaslieferverträgen mit Spanien und Portugal für die Industrie und die Bürger des Landes zu beschaffen.

Doch selbst wenn etwa Wärmetauscher, Wärmepumpen oder andere Heizsysteme erneuert würden, bräuchten viele von ihnen Strom. In Deutschland gäbe es derzeit keine Gas- sondern eher eine Strommangellage. Der Ausbau erneuerbarer Energien habe in den letzten Jahren stark nachgelassen. Vielfach fehle es an Leitungen für den Transport des grünen Stroms.

Das Szenario eines flächendeckenden Blackouts in Deutschland, der mehrere Tage oder gar Wochen anhalten könne, teilte der EVM-Berater nicht. Natürlich sei eine gewisse Vorratshaltungen an Lebensmitteln im Haus keine schlechte Idee. Nach Schätzungen der Energieversorger könne es durchaus zu Blackouts kommen. Doch diese würden kaum länger als 4 Stunden im Monat dauern.

Natürlich könne jeder jetzt umrüsten. Doch wer dies nicht unbedingt müsse, weil beispielsweise die 30 Jahre alte Öl- oder Gasheizung nicht mehr zu reparieren sei, der kann mit einfachen Mitteln den Energiebedarf und die Kosten senken. Da wäre zum Beispiel die Warmwasserversorgung. Niemand duscht oder badet mit 60°C heißem Wasser. Hier reichen bei regelmäßiger Nutzung 45°C völlig aus. Weitere Tipps sind, nur LED-Leuchtmittel verwenden, Raumtemperatur der Außentemperatur anpassen, Heizungskörper entlüften, entstauben und nicht mit Möbeln verstellen, Heizkörper auf eine Grundtemparatur einstellen, Händewaschen mit kaltem Wasser.

Was ist vom 3. Entlastungspaket zu halten? Die darin enthaltene Einmalzahlung des Gasabschlags im Dezember 2022 und der Gaspreisdeckel fand ein geteiltes Echo. Hier wusste der Energieberater aus seiner Vor-Ort-Tätigkeit an Kunden zu berichten. Auch wenn angeregt über diese Maßnahmen diskutiert wurde, waren sich alle einig darin, froh über die Maßnahmen an sich zu sein.

Auch zur Idee der Wärmeinseln gab es eine eifrige Diskussion. Die Teilnehmer des Energie-Stammtisches äußerten die Hoffnung, dass die Verantwortlichen in den Kommunen auch wüssten, was dies bedeutet. Denn, um Wärmeinseln betreiben zu können, brauche man eben Energie. Das setze eine logistische Vorbereitung voraus, wie den Vorrat an Diesel, um Notstromaggregate betreiben zu können, ebenso eine Bevorratung an Lebensmitteln für eine gewisse Zeit. Das Einrichten von Wärmeinseln sei bestimmt gut gemeint. Dies hätte man in der Vergangenheit bereits etwa für Bedürftige anbieten können.

Eine sehr wichtige Frage an die EVM betraf Neukunden, die etwa von einem vielleicht insolventen Billiganbieter in die Grundversorgung der Energieversorger fielen. Der Gebäudeenergieberater beschrieb den Zuhörern die Situation am Beispiel der EVM. Den Planbedarf an Strom und Gas für Bestandskunden sichere sich die EVM jeweils zu vertraglich vereinbarten Preisen. Kommen nun plötzlich Neukunden dazu, muss der Energieversorger Strom und Gas zu jeweils aktuellen Marktbedingungen (und damit vielfach teurer) dazukaufen. Dies führt dazu, dass Neukunden für einen gewissen Zeitraum den deutlich teureren Strom- und Gaspreis in der Ersatzversorgung zahlen müssen, ehe sie dann zu den Bestandskunden wechseln könnten. Dafür warb Herr Schneider um Verständnis, denn auch Energieversorger wie die EVM müssten wirtschaftlich arbeiten.

Was bleibt von diesem sehr informativen Abend?

Ein Teilnehmer dankte insbesondere Herrn Schneider für die umfassende und "barrierefreie" Information und Beratung.

Unser Fazit: Deutschland hat die Energie zur Wende! Durch unser Verhalten können wir vieles tun, um auch in Krisenzeiten zu bestehen. Aber wir müssen uns auch entscheiden, in welcher Welt wir und unsere nachfolgenden Generationen leben wollen und sollen. Und die erforderlichen Schritte gehen. Gemeinsam und solidarisch.

Die evm hält weitere praktische Tipps und Beratung auf ihrer Homepage www.evm.de parat.

Die SPD Wirges dankt Herrn Schneider und den Besuchern für den gelungenen Abend, der in guter Erinnerung bleiben wird.

Nachtrag: Seit dem 1. November 2022 ist es den Energieversorgern nicht gestattet, Neukunden anders als Bestandskunden einzugruppieren.

 

Für uns im Bundestag: Dr. Tanja Machalet